Belastbare Datengrundlage für die Debatte um Elementarschaden-Pflichtversicherung: Studie macht Zusatzkosten erstmals systematisch vergleichbar
Hannover, 10. März 2026 – Vor dem Hintergrund der anhaltenden politischen Debatte um eine mögliche Pflichtversicherung für Elementarschäden liefert eine neue Studie erstmals belastbare Zahlen zu den tatsächlichen Zusatzkosten für die Elementardeckung bei unterschiedlichen Tarife. Die isolierten Mehrkosten wurden über alle 36 deutschen Risikozonen hinweg systematisch ermittelt.
Die Datengrundlage entstand durch eine umfangreiche Massenberechnung realer Marktangebote, unterstützt durch die fb research GmbH. Die Studie schafft damit erstmals eine belastbare Vergleichbarkeit und eine sachliche Grundlage zur Bewertung wirtschaftlicher und politischer Handlungsoptionen – etwa gezielter Prämienentlastungen, risikoadäquater Subventionen oder verpflichtender Modelle mit flankierenden Maßnahmen.
Für die Studie wurde ein einheitliches Musterhaus im Wert von ca. 500.000 Euro definiert und auf über 1000 reale Adressen übertragen. Jede Konstellation wurde systematisch mit und ohne Elementardeckung berechnet, um die tatsächlichen Zusatzkosten präzise zu ermitteln.
Die Auswertung zeigt eine erhebliche Beitragsspreizung: In Hochrisikogebieten steigen die Prämien deutlich an, also genau dort, wo der Schutz am dringendsten benötigt wird. Dies belastet naturgemäß die Nachfragen in diesen Zonen. Auch innerhalb der gleichen Zone sind die Beitragsdifferenzen groß, so dass sich ein Beitragsvergleich lohnt.
Neben der Kostentransparenz rückt damit ein weiterer Aspekt in den Fokus: die Vergleichbarkeit der Leistungsinhalte. Darauf weist Jennifer Hansen, Leitung des fb research-Analyseteams im Kompositbereich, hin:
Die Studie macht deutlich, wie stark politische und wirtschaftliche Entscheidungen von einer strukturierten und transparenten Datenbasis abhängen. Transparenz ist damit keine optionale Ergänzung, sondern Voraussetzung für belastbare Entscheidungsprozesse, insbesondere bei gesellschaftlich relevanten Themen wie der Absicherung zunehmender Klimarisiken.
Über die Studie
Die Studie wurde von Prof. Dr. h. c. Hartmut Nickel-Waninger initiiert und wissenschaftlich verantwortet. Er war Mitglied des Vorstands der Gothaer Versicherungsbank VVaG und ist Honorarprofessor am International Center for Insurance Regulation (ICIR) der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zudem wurde er vom Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) als Gastgutachter im Bereich der Elementarschadenversicherung beauftragt.
Zu den weiteren Mitwirkenden gehörten Dr. Christian Groß, Leiter des „Datenbarometers“ des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), sowie Prof. Dr. Oliver Schellenberger, Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA).
Die Studie versteht sich als datenbasierter Beitrag zur politischen und wirtschaftlichen Bewertung möglicher Modelle zur Absicherung von Elementarschäden. Link zu der Studie: https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2026/heft/1/beitrag/freiwillig-oder-pflicht-kosten-als-grundlage-fuer-entscheidung-zu-elementarschadenversicherung.html
Zentrale Ergebnisse der Datenauswertung
Auf Basis von über 80.000 berechneten Angebotsdatensätzen für mehr als 1.000 Adressen aus allen 36 Risikoklassenzeigt sich eine deutliche Spannbreite bei den Zusatzkosten der Elementardeckung:
In niedrigen Risikozonen liegt der durchschnittliche Aufschlag bei etwa 100 bis 120 € pro Jahr
In mittleren Risikozonen bei etwa 240 bis 350 € jährlich
In höheren Risikozonen bei über 1.300 € pro Jahr
In einzelnen Tarifen reicht die Spannbreite sogar von 19 € bis über 3.000 € jährlich.
Rund 92 % der Gebäude befinden sich in niedrigen Risikozonen, während sehr hohe Zusatzkosten vor allem in wenigen Hochrisikogebieten auftreten.
Die Datengrundlage wurde über das fb>campaign der fb research GmbH erhoben und ermöglicht erstmals eine systematische und vergleichbare Darstellung der isolierten Mehrkosten.





